Lead Scoring B2B: Welche Punkte ein Lead wirklich verdient
Lead Scoring klingt nach Marketing-Spielerei, ist aber ein konkretes Steuerungs-Instrument: Welche Leads ruft euer SDR-Team zuerst an? Welche werden überhaupt nicht angerufen? Hier ist ein Lead-Scoring-Modell, das im DACH-Mittelstand funktioniert — ohne Marketing-Automation-Suite, aber mit klarer Logik.
Was Lead Scoring leistet — und was nicht
Lead Scoring ist die systematische Punkte-Bewertung eingehender oder akquirierter Leads, mit dem Ziel, die begrenzte Vertriebs-Zeit auf die Leads mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für einen Abschluss zu konzentrieren. Was Lead Scoring nicht leistet: schlechte Leads in gute verwandeln. Wer keinen Bedarf hat, wird ihn auch nicht entwickeln, nur weil er hoch bewertet wurde.
Die zwei Score-Dimensionen
Fit-Score: Passt der Lead grundsätzlich?
Bewertet demografische und firmografische Merkmale: Branche, Unternehmensgröße, Region, Funktion der Ansprechperson, Tech-Stack. Der Fit-Score ist stabil und ändert sich selten.
Intent-Score: Wie kaufbereit ist der Lead aktuell?
Bewertet Verhaltens- und Trigger-Signale: Webseiten-Besuche, Content-Downloads, jüngste Veränderungen im Unternehmen (Stellenausschreibungen, Pressemitteilungen, Tech-Stack-Wechsel). Der Intent-Score schwankt stark über die Zeit.
Ein einfaches Beispiel-Modell
Hier eine Punkte-Verteilung, die wir bei haseln in Mittelstands-Projekten als Startwert benutzen. Jede Dimension wird auf maximal 100 Punkte bewertet, der Gesamt-Score ist die Summe.
Fit-Score (max. 100)
- Branche im Kern-ICP: +40
- Branche im Adjacent-ICP: +20
- Unternehmensgröße 100 bis 1.000 Mitarbeitende: +25
- Region DACH: +15
- Funktion Geschäftsführerin, Vertriebsleitung, IT-Leitung: +20
Intent-Score (max. 100)
- Trigger-Event in den letzten 30 Tagen (neue Führung, Finanzierung, Niederlassung): +30
- Webseiten-Besuch auf Preisseite oder Demo-Anfrage: +25
- Content-Download spezifisch (Whitepaper, ROI-Rechner): +15
- Mehrfach-Besuch innerhalb 7 Tagen: +15
- Verbindung auf LinkedIn akzeptiert: +10
- Antwort auf Outbound-Mail: +5
Priorisierung über Score-Buckets
- 150 bis 200 Punkte (Hot): innerhalb von 24 Stunden anrufen, Champion-Aufbau starten.
- 100 bis 149 Punkte (Warm): innerhalb von 5 Werktagen anrufen, Sequenz starten.
- 60 bis 99 Punkte (Nurture): in eine 6-Wochen-Nurture-Sequenz schieben, monatlicher Re-Score.
- Unter 60 Punkte (Cold): nicht aktiv anrufen, im CRM behalten, in der nächsten Score-Iteration prüfen.
Negative Punkte: was ihr abziehen solltet
Ohne negative Punkte wird das Modell zu optimistisch. Im Mittelstand bewährt:
- Unternehmens-E-Mail wirkt nach Freemail (gmail, gmx, web): -20
- Funktion „Praktikant”, „Studentische Hilfskraft”, „Werkstudent”: -30
- Wettbewerber: -100 (Sperre)
- Unsubscribe in den letzten 90 Tagen: -50
Lead Scoring ohne Marketing-Automation-Suite
Ihr braucht nicht zwingend HubSpot, Pardot oder Marketo. Ein einfaches Modell läuft im CRM mit drei Custom Fields (Fit-Score, Intent-Score, Total-Score) und einer wöchentlichen Aktualisierung. Wichtiger als das Tool ist die Disziplin: Wer einmal pro Woche scoring-relevante Daten ergänzt und Buckets anpasst, hat ein funktionierendes Modell. Wer es nur einmal pro Quartal anfasst, hat ein totes Modell.
Fazit
Lead Scoring ist 2026 im DACH-Mittelstand kein optionales Marketing-Tool, sondern eine Vertriebs-Notwendigkeit. Wer seine Leads nicht priorisiert, behandelt alle gleich — und überlässt die Reihenfolge dem Zufall. Ein einfaches Zwei-Dimensionen-Modell mit klaren Buckets reicht aus, um die Konversionsrate von qualifizierten Leads um 25 bis 40 % zu erhöhen, ohne mehr Pipeline zu produzieren.